INA - Nachhaltigkeit – interkulturell - Multiplikationsprojekt

Nachhaltigkeit geht alle an: Projektreihe bezieht Zugewanderte ein.
Wir leben in einer Welt, in der die Herausforderungen des Klimawandels, der Umweltverschmutzung, der Armut und der Ressourcenknappheit allgegenwärtige Probleme sind. Wenn wir den kommenden Generationen eine gute Lebensgrundlage übergeben wollen, müssen spätestens jetzt einige Weichen neu gestellt werden:
In den ökologischen sowie ökonomischen und sozialen Dimensionen. Das wird nicht ohne die Umgestaltung mancher Lebensgewohnheiten gehen. Ein gerecht gestaltetes, gutes gemeinsames Leben jetzt und in Zukunft (also: Nachhaltigkeit) erreichen wir, indem wir sicherstellen, dass die Menschen in ihrer ganzen Vielfalt an der Debatte teilhaben und gemeinsam das „Gute Leben“ mitgestalten. Zurzeit scheint dies eher ein Privileg der weißen, akademischen und wohlhabenden Bevölkerungsteile zu sein.
Doch die Auseinandersetzungen profitieren von einer Vielfalt an Perspektiven. Insbesondere Menschen mit interkulturellen und internationalen Erfahrungen bereichern die gesellschaftliche Entwicklung durch ihre besonderen Blickwinkel. Sie müssen in den gemeinsamen Dialog auf Augenhöhe einbezogen werden. Das ist essenziell für die gerechte und inklusive Debatte.
Wir, die Participolis Akademie gGmbH entwickelten 2021 gemeinsam mit Zugewanderten im Auftrag des Bundesumweltamt das Projekt »Nachhaltigkeit in Vereinen und Migrantenorganisationen (NiV)«. Inzwischen wurde es kontinuierlich weiter entwickelt: zum Train-the-Trainer Ansatz „Nachhaltigkeit Interkulturell“.
Schematische Darstellung von Nachhaltigkeit als Perspektive statt isoliertes Thema (Dr.Kohlhage, 2023)
Nicht die Weitergabe von Nachhaltigkeitswissen steht dabei im Mittelpunkt, sondern die Selbstverortung im Themenspektrum der Nachhaltigkeit, also die Selbstbetrachtung aus einer Nachhaltigkeitsperspektive heraus. Hier machen wir bewusst, dass man sich nicht außerhalb von Nachhaltigkeit stellen kann, sondern sich mit jeder Aktion automatisch auf einer Nachhaltigkeits-Skala bewegt, ob man will oder nicht.
Jedes Verhalten kann mit Nachhaltigkeitskriterien bewertet werden. Ist man sich dieser Realität bewusst, kann man jedes Verhalten als mehr oder weniger nachhaltig erkennen und in diese Richtung gestalten.
2025 wurden mehr als 40 engagierte mehrsprachige Menschen zu Nachhaltigkeitstrainer*innen ausgebildet. Diese erhielten einen umfangreichen Einblick in die Nachhaltigkeitsbewegung und erwarben konkrete Fähigkeiten, um über 25 ehrenamtliche Organisationen bei einem individuellen Nachhaltigkeitsprozess unterstützen zu können. Die Migrantenorganisationen eigneten sich den Nachhaltigkeitsgedanken an. Ziel war es, dass die trainierten Gruppen sich in der Nachhaltigkeitsdebatte orientieren und dadurch stärker mitreden können und wollen. An zweiter Stelle ging es darum, die eigene Nachhaltigkeit zu stärken. Die teilnehmenden Gruppen konnten auf 25 Sprachen begleitet werden. Neben Deutsch standen unter anderem Arabisch, Bulgarisch, Dari, Englisch, Estnisch, Französisch, Mazedonisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Türkisch, Ukrainisch und Urdu zur Verfügung.
Die darauf folgende konkrete Verwirklichung von Ideen zu mehr Nachhaltigkeit machen einen Teil des Erfolges des partizipativen Projekts aus. Der entscheidende methodische Erfolgsfaktor ist, die integrative Komponente in den Vordergrund zu stellen und Gruppen, die als schwer erreichbar gelten, für die Nachhaltigkeitstransformation zu gewinnen. Und das ohne erhobenen Zeigefinger, sondern in einer Weise, die den Angesprochenen die Wichtigkeit ihrer Rolle im Diskurs verdeutlicht. Diese ist sowohl im praktischen Gestalten, als auch im demokratischen Mitmischen angesiedelt. Das ist Augenhöhe in der Praxis.
Die Klimagerechtigkeit setzt voraus, auch die bisherigen Außenseiter an der Debatte zu beteiligen. Mit diesem Ansatz ist es gelungen, diese Akteure sprachfähiger zu machen, indem ihr Interesse gestärkt wurde, sie sich Hintergrundwissen aneignen und mit dem notwendigen Vokabular vertraut machen konnten. Neue Stimmen und Perspektiven bringen so frischen, produktiven Wind in die Debatten.
Die Gelingensfaktoren der Projekte sind erstens der gute Kontakt zur Zielgruppe. Hilfreich waren die Schlüsselpersonen vor Ort, die von vornherein einbezogen wurden, wie z.B. Stadtteilmanagerinnen.
Zweitens nahmen wir die Lebensrealität der Teilnehmenden als Ausgangspunkt. Von dort aus haben wir gemeinsam Ansätze für vorhandene Nachhaltigkeit identifizieren können und Potenziale identifiziert.
Drittens haben wir auf Augenhöhe über Werte diskutiert, die Nachhaltigkeit fördern oder behindern. Gemeinsam haben die Teilnehmenden über Wege nachgedacht, wichtige Werte zukunftsfähig leben zu können.
Viertens wurden die Akteure empowert, systematisch an die Themen herangeführt und von der (Erst)Information bis zur Projektplanung und -umsetzung wertschätzend begleitet. Dieser Bottom-Up Ansatz erwies sich als wichtiger Gelingensfaktor. Bei selbstorganisierten gesellschaftlichen Akteuren unterstützt er die Zusammenstellung eigener Ansätze zur Nachhaltigkeit hilft bei der Entwicklung innovativer Lösungen.
Fünftens war Partizipation elementarer Bestandteil bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung des didaktischen und praktischen Ansatzes. Mit auszubildenden Trainer*innen wurde im kontinuierlichen Verbesserungsprozess die Fortbildung und das Trainingsmaterial entwickelt und evaluiert.
Und als sechster Gelingensfaktor sei die Anerkennung der Trainerinnen über ein angemessenes Honorar und einem Engagementzertifikat für ihre Trainerinnentätigkeit erwähnt. Auch die trainierten Gruppen erhielten ein kleines Budget, um ihre Umstellung auf mehr Nachhaltigkeit finanziell zu erleichtern. Ohne diese Gelingensfaktoren ist ein solches Projekt aus unserer Sicht nicht möglich.
Dank der weitreichenden Vernetzung profitieren international erfahrene Mitmenschen in Bielefeld, Osnabrück, Braunschweig, Bonn, Köln, Hannover, Mühlheim und Stuttgart von diesen Maßnahmen. 2026 soll es mit weitergehen: Mehrere Kommunen werden bei der Übernahme des erfolgreichen Ansatzes begleitet. So können immer mehr Menschen für mehr Nachhaltigkeit gewonnen werden.
Hier können Sie aus allen Bundesländern Ihr Interesse an der Teilnahme für 2024/25 bekunden und weitere Informationen erhalten:



